Rise of the Platform Economy (2): Warum Nutzen das neue Besitzen ist


Willkommen in der Plattform-Ökonomie! Im ersten Teil dieser Blogserie haben wir einen intensiven Blick darauf geworden, was hinter diesem Phänomen steckt und wie weit verbreitet plattformbasierte Geschäftsmodelle in Deutschland sind. Ein Trend, der sich weltweit immer stärker abzeichnet, ist der des Nutzens von Informationen und Dingen, ohne sie wirklich zu besitzen. Im zweiten Teil der Reihe wollen wir schauen, woher diese Entwicklung kommt, welche Auswirkungen das Ganze hat und was es in der Konsequenz für die (Software-) Welt bedeutet.

 

Es war einmal… die Videothek

Platform EconomyIn den letzten Jahren lässt sich ein weitreichender Wandel der gesellschaftlichen Konsumtrends beobachten: Menschen wollen Dinge temporär nutzen und unter Umständen mit anderen teilen, sie jedoch nicht immer zwangsläufig auch langfristig besitzen. Ein Konzept, das als Geschäftsmodell ja grundsätzlich gar nicht so neu ist. Man denke an den Verleih von Serien und Filmen auf VHS und DVD, wie er lange Jahre erfolgreich war.

 

Hier bestand das Geschäftsmodell darin, dass der Videothekenbetreiber mit seinem lokalen Geschäft eine ortsgebundene Plattform zum Verleih von Produkten anbot, wovon er selbst, die Filmverleiher sowie der Kunde profitierten. Das war für den Konsumenten vor allem deshalb lukrativ, weil er neueste Filme und Serien relativ preisgünstig schauen konnte, ohne sie sich fest kaufen zu müssen. Vorteilhaft deswegen, weil hohe Anschaffungskosten vermieden werden konnten und der Konsument so mehr Platz im privaten Wohnzimmer hatte. Und vor allem ließ sich so vermeiden, Geld für etwas auszugeben, das man unter Umständen nur unregelmäßig nutzt.

 

Das Internet als Handelsplatz

Der aufmerksame Leser hat sicherlich festgestellt, dass das Videotheken-Beispiel in der Vergangenheitsform geschildert wurde. Warum? Obwohl das Geschäftsmodell an sich interessant klingt und auch dem Trend hin zur temporären Nutzung von Gütern folgt, ist es hoffnungslos veraltet. Das liegt an zwei Faktoren: Zum einen haben wir es mit einer vernetzten, globalisierten Gesellschaft zu tun, wo Transparenz und vor allem Schnelligkeit treibende Erfolgsfaktoren geworden sind. Ist der von mir bevorzugte Film genau dann verfügbar, wenn ich ihn sehen will? Bei der klassischen Videothek mit festen Öffnungszeiten etc. sicher nicht. Zum anderen ist das Internet zum Handelsplatz geworden – ein Marktplatz, der rund um die Uhr und von überall erreichbar ist. Weite Bereiche des Internets sind sogar so aufgebaut, dass Informationen in vielfältigen Ausprägungen genutzt werden können, ohne sie explizit zu besitzen – sei es kostenlos oder in kommerzieller Form. Bezogen auf das Videotheken-Beispiel muss ich also nicht einmal mehr das Haus verlassen und mich auch nicht an Öffnungszeiten halten, wenn ich in Genuss eines Films kommen will.

 

Neue Geschäftsmodelle

Nutzen statt besitzen – dieses veränderte Konsumverhalten der Kunden spiegelt sich auch in neuen, erfolgreichen Geschäftsmodellen von Unternehmen wider. Airbnb ist mittlerweile der größte Zimmeranbieter der Welt, ohne eigene Wohnungen zu besitzen. Uber hat sich zum weltgrößten Taxi-Unternehmen entwickelt, ohne selbst Fahrzeuge zu besitzen. Aus Asien drängt der gigantische Händler Alibaba Richtung Westen, ohne ein eigenes Lager zu unterhalten. Und auch Facebook, eine der weltweit erfolgreichsten Plattformen, hat sich längst als enorm wichtige Medienquelle etabliert, ohne überhaupt eigene Inhalte zu erzeugen.

 

Lokale Videotheken sind also deswegen veraltet, weil sie disruptive, digitale Konkurrenz erhalten haben, gegen die sie nichts ausrichten konnten. Plattformbasierte Geschäftsmodelle nutzen das Internet als virtuellen Träger und „sparen“ sich auf diesem Weg eine lokale Geschäftsstelle mit Ladenmiete, Mitarbeitern, physischen Produkten usw. Sie sitzen am Puls der Zeit, nutzen pfiffige Technologien und setzen beim veränderten Konsumverhalten des Menschen an. Netflix beispielsweise hat mit seinem Online-Video-Streaming von Filmen und Serien die Medienwelt revolutioniert. Menschen können von überall aus (also nicht nur aus dem eigenen Wohnzimmer) Inhalte abrufen, ohne sie fest physisch kaufen zu müssen.

 

Hier spielt übrigens auch die technologische Komponente eine Rolle für den Erfolg: Die der Plattform zugrunde liegende künstliche Intelligenz mit ihrem Bewertungssystem und den vielen Empfehlungsfiltern sorgt für stets neue und veränderte Inhalte. Durch das Nutzungsverhalten und die Vorlieben der Konsumenten gewinnt der Plattformbetreiber wiederum wertvolle Informationen, um den Mehrwert der Plattform zu erhöhen.

 

Nutzen statt besitzen: Software-Services im Fokus

In der Konsequenz bedeutet das, dass sich auch die Softwarewelt verändert. Softwarelösungen bestehen nicht nur für sich, sondern sind im vernetzten Ökosystem Teil einer übergeordneten Plattform. Das klassische On-Premise, das traditionelle Geschäftsmodell vieler etablierter Softwareunternehmen, verändert sich – in Gestalt von ‚Software as a Service (SaaS)‚ Infrastructure as a Service‘ (IaaS) und ‚Platform as a Service’ (PaaS) – immer mehr in Richtung cloudbasierte Dienstleistungen. Kunden möchten Software nicht mehr lokal fest definiert installiert haben, sondern Tätigkeiten von jedem Gerät, von überall und zu jeder Zeit erledigen. Sie können und möchten sich auch nicht um Betrieb, Wartung und Administration einer Software kümmern, sondern erwarten, dass dies der Anbieter fachgerecht übernimmt.

 

Sie setzen außerdem ein Pricing voraus, das sich in Abhängigkeit von Nutzungsumfang, -intensität und –dauer ergibt oder an anderen Leistungsgrößen orientiert, wie z. B. dem genutzten Speicherplatz.

Und vor allem wollen sie Software mittlerweile nutzen, sie jedoch nicht zwangsläufig auch besitzen.

 

In Teil 3 dieser Blogserie erklären wir, wieso Netzwerke in der Plattform-Ökonomie unverzichtbar sind und inwiefern sich die Wertschöpfung durch Netzwerkeffekte erheblich vergrößert.

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